Restaurierung der Wilhelm Hepp-Orgel von 1803 in Velburg

Herz - Jesu - Berg  Velburg

von Martin Sturm

Hepp-Orgel in VelburgWilhelm Hepp, Nachfolger der berühmten oberpfälzischen Orgelbauerfamilie Funtsch, erbaute im Jahre 1803 in der Wallfahrtkirche zum Heiligen Herzen Jesu zu Velburg sein größtes Werk. Zwölf Register verteilen sich in einer bemerkenswerten Disposition auf ein Manual mit Pedal. Weitere erhaltene Orgeln des Orgelbauers Hepp finden sich nur noch in Hausen und Rechberg.

Wilhelm Hepp lernte das Orgelbauerhandwerk bei Johann Konrad Funtsch, welcher beispielsweise die bis heute erhaltene Orgel auf dem Habsberg fertigte. Nach dessen Tode übernahm Hepp die in Amberg ansässige Werkstatt und baute bis weit in das 19.Jahrhundert hinein Orgeln auf klanglich und technisch höchstem Niveau. Davon zeugt die Orgel auf dem Herz-Jesu-Berg in Velburg bis heute: Es kommt einem Wunder gleich, dass neun von zwölf Registern, der Spieltisch, die Windlade, die gesamte Traktur und das Gehäuse aus dem Jahre 1803 bis heute die Zeiten überdauert hat.

In den Jahren 1898 und 1921 gestaltete der Orgelbauer Ludwig Edenhofer aus Deggendorf das Werk um und passte es dem Zeitgeschmack des frühen 20.Jahrhunderts an. 1970 führte die Fa. Rieger (Schwarzach) Restaurierungsarbeiten am Gehäuse durch. 1979 folgte eine durch die Fa. Jann (Laberweinting) geplante erste Rückführung in den Zustand des Jahres 1803, welche für die nun für 2013/2014 geplante Restaurierung den nötigen Boden liefert. Der Wissenstand im Bezug auf historische Orgeln ist jedoch heute um Wesentliches reicher als Ende der 70er Jahre und so kann die historisch so wertvolle und bedeutende Orgel ihren wirklichen Klang und ihr ursprüngliches Aussehen zurück erhalten.

Durch Ludwig Edenhofer wurden im Jahre 1898 drei Register ausgetauscht und die Intonation durch runde Aufschnitte und Kernstiche, in den meisten Fällen durchaus reversibel, verändert. Ebenso wurde ein neuer Magazinbalg aufgestellt, der höchstwahrscheinlich zwei Keilbälge ablöste. Die Traktur, den Spieltisch und die Windlade behielt er unverändert bei.

 

Disposition 1898
 
   
   
Manual C-f´´´ Pedal C-f
Principal 8´  (Principal 4´+ neue Bassoktave) Subbaß 16´
Hohlflöte 8´ Octavbaß 8´
Salicional 8´  
Waldflöte 8´  
Copel 8´  
Gamba 8´  
Gemshorn 4´  
Fugara 4´  
Octave 2´  
Mixtur 2 2/3´  

 

Hepp-Orgel in Velburg
Chronogramm über der Manualklaviatur.

Die Arbeiten im Jahre 1921 beschränkten sich anscheinend auf das Einfügen von neuen Zinkprospektpfeifen, da die originalen sichtbaren Zinnpfeifen im 1.Weltkrieg für die Rüstungsindustrie abgeführt werden mussten.

1979 wurde die Intonation des Ludwig Edenhofer beibehalten, jedoch die von Edenhofer 1898 neugebauten Registern wurden ausgebaut und anhand Spuren an Windlade und Spieltisch nach historischen Vorbildern ersetzt. Die Gamba 8´wich einer Quint 3´, anstelle der Fugara 4´ wurde eine Cimbel 2f. eingesetzt und der Principal 8´ wurde neu in seiner ursprünglichen Tonhöhe als Principal 4´ gebaut. Die originale Mixtur wurde auf die ursprüngliche 2´-Lage umgestellt und das Gebläse der Orgel elektrifiziert.

Eine im Jahre 2000 durchgeführte Reinigung, starker Holzwurmbefall und der Zahn der Zeit riefen große Schäden an der Orgel hervor. Der Holzwurm wurde inzwischen beseitigt, aber ohne eine gründliche Restaurierung wird das Instrument in einigen Jahren unspielbar sein. Reinigung, Instandsetzung, Holzwurmprävention und das behutsame Überarbeiten aller Einzelteile müssen baldmöglichst umgesetzt werden.

Die nun bevorstehende Restaurierung wird ebenso versuchen die Intonation soweit möglich auf das Jahr 1803 rückzuführen. Die 1979 in falscher Mensur gebaute Quint 3´ wird durch Pfeifen in richtiger Mensur und nach historischem Vorbild ersetzt. Der Prospekt-Principal wird nach Spuren von Rasterbrettern im Orgelgehäuse wieder auf klingende Länge gebaut, was das Prospektbild entscheidend verändert. Der nicht nachvollziehbare Einbau einer Zimbel 2f. weicht der in der ursprünglichen Disposition wahrscheinlich vorgesehenen Quint 1 1/2´. Der in sehr schlechtem Zustand befindliche Balg aus dem Jahre 1898 wird ersetzt durch zwei Keilbälge nach historischem Vorbild, welche in Zukunft auch wieder per Hand vom Kirchenraum aus bedient werden können.  

 

Disposition 1803 und ab 2014    
       
       
Manual C-f´´´   Pedal C-f
 
Porton 8´   (1803, jetzt genannt Hohlflöte) Subbaß 16´ (1803)
Copl 8´ 
(1803) Octavbaß 8´ (1803)
Salicional 8´ (1803, jetzt genannt Gamba)    
Viola 8´   (1803, jetzt genannt Waldflöte)    
Principal 4´ (2014)    
Gamba 4´   (1803, jetzt genannt Gemshorn)    
Quint 3´   (2014)    
Octav 2´ (1803)    
Quint 1 ½´
(2014)    
Mixtur 3-4f. (1803)    

 

 

Hepp-Orgel in Velburg

Erscheinungsbild der Orgel nach der Restaurierung (Computeranimation)

 

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Kontakt:
 
 
Martin Sturm
Mobil: 0171 530 4762
E-mail: martinsturm1@aol.com
 


Alle Photos: Boris Mettler

 

Flyer zum Download als pdf-Datei

 

 

 



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