Mendelssohn 2009

Meisterkurs Orgel / Klavier


Felix Mendelssohn Bartholdy - Brücke zwischen den Zeiten

von Christoph Bossert

Felix Mendelssohn BartholdyFelix Mendelssohn Bartholdys Geburtstag jährt sich 2009 zum zweihundertsten Mal. Mendelssohn wurde durch seine Wiederaufführung der Matthäuspassion Bachs im Jahre 1829 zu einem der wichtigsten Wegbereiter der Bach-Rezeption im 19. Jahrhundert. Mit Mendelssohn beginnt zugleich eine Linie, die über Schumann, Brahms und Reger die Gegenposition zur "Neudeutschen Schule" markiert, mit Reger aber, ebenso wie andererseits Liszt und Wagner, ins 20. Jahrhundert führt.

"Dialog der Tasten - Brücken zwischen den Zeiten" setzt den im Messiaen-Jahr 2008 in Würzburg beschrittenen Weg fort, in dem durch Markus Bellheim das gesamte Klavierwerk von Olivier Messiaen, durch Christoph Bossert und seine Orgelklasse sowie durch Hans-Ola Ericsson als Gastdozent das gesamte Orgelwerk Messiaens zur Aufführung kam.

Kontrapunktierend zur Idee des Gesamtwerks soll Mendelssohn 2009 eher aus dem Blickwinkel von Kontinuität und Diskontinuität betrachtet werden, indem durch ihn eine riesenhafte Brücke sichtbar wird, die das gesamte Zeitalter der Dur-Moll-Tonalität überspannt.

 

Den gesamten Text finden Sie hier.

 

 

Konzerte im Jubiläumsjahr
   
Käppele Würzburg Konzert I
29.4.2009 Stücke aus der Sammlung Cäcilia
  (J.S.Bach, G.F.Händel, S.S.Wesley)
  F. Mendelssohn-Bartholdy
  Drei Präludien und Fugen op.37
   
Fährbrück, Wallfahrtskirche Konzert II
9.5.2009 F. Mendelssohn-Bartholdy
  Variations sérieuses op.54
  Robert Schumann
  Sechs Kanons op.56
  Johanes Brahms
  "Schmücke dich, o liebe Seele"
  Max Reger
  Passacaglia e-Moll op.16/4
   
Marianhill, Würzburg Konzert III
17.5.2009 F. Mendelssohn-Bartholdy
  Die sechs Sonaten für Orgel op.65
   
Neubaukirche, Würzburg Konzert IV - Dialog der Tasten I
6.6.2009 Christoph Bossert - Orgel
  Markus Bellheim - Klavier
  Johannes Brahms
  Variationen op.21/1
  Johannes Brahms
  Choralvorspiel "Herzlich tut mich erfreuen" op.122/4
  F. Mendelssohn-Bartholdy
  Sechs Praeludien und Fugen op.35
  Klavier- und Orgelfassung in Gegenüberstellung
   
Neubaukirche, Würzburg Abschlusskonzert Meisterkurs - Dialog der Tasten II
7.6.2009 F. Mendelssohn-Bartholdy
  Sechs Praeludien und Fugen op.35
  Klavier- und Orgelfassung in Gegenüberstellung

 

 

Meisterkurs für Orgel und Klavier

"Dialog der Tasten II - Brücken zwischen den Zeiten"

2.6. - 7.6.2009

Christoph Bossert - Orgel
Markus Bellheim - Klavier

Mendelssohn 2009
 
 
 
Mendelssohn 2009 - Programm
 

Repertoire für Orgel:
Felix Mendelssohn Bartholdy
Sechs Praeludien und Fugen (Orgeltranskription: Christoph Bossert)
Drei Praeludien und Fugen op. 37
Sechs Sonaten für Orgel op. 65

„Cäcilia“
Eine dreibändige Sammlung von Orgelwerken der Zeit zwischen ca. 1720 und 1850

Robert Schumann
Sechs Stücke in kanonischer Form op. 56 für Orgel

Johannes Brahms
„Herzlich tut mich erfreuen“ aus op. posth. 122
„Schmücke dich, o liebe Seele“ aus op. posth. 122
Orgeltranskription der Variationen op. 21, 1 (Bossert)

Repertoire für Klavier:
Felix Mendelssohn Bartholdy
Sechs Präludien und Fugen op. 35
Variations serieuses op. 54
Lieder ohne Worte

Robert Schumann
Einrichtung der Kanons op. 56 für Klavier zu vier Händen (Bizet)

Johannes Brahms
Variationen D-Dur über ein Originalthema op. 21, 1

 

Symposium und Konzert

Zwischen Kontinuität und Diskontinuität

Symposium • 4.11.2009

Felix Mendelssohn Bartholdy. Werk und Wirkung
Institut Domerschulstraße 13

Konzert "Dialog der Tasten" • 5.11.2009 • Neubaukirche

Markus Bellheim, Klavier
Prof. Dr. Christoph Bossert, Orgel
Veranstalter: Musikwissenschaftliches Institut der Universität Würzburg in Verbindung mit der Hochschule für Musik Würzburg

Felix Mendelssohn Bartholdy - Brücke zwischen den Zeiten

Text von Prof. Dr. h.c. Christoph Bossert • komplete Fassung

Felix Mendelssohn Bartholdys Geburtstag jährt sich 2009 zum zweihundertsten Mal. Mendelssohn wurde durch seine Wiederaufführung der Matthäuspaason Bachs im Jahre 1829 zu einem der wichtigsten Wegbereiter der Bach-Rezeption im 19. Jahrhundert. Mit Mendelssohn beginnt zugleich eine Linie, die über Schumann, Brahms und Reger die Gegenposition zur "Neudeutschen Schule" markiert, mit Reger aber, ebenso wie andererseits Liszt und Wagner, ins 20. Jahrhundert führt.

Mendelssohn wird so zu einer Brücke zwischen den Zeiten. Die Orgelmusik nahm sich in seiner Zeit – nach den Wirren der französischen Revolution und der Säkularisation – fast eher wie ein historisches Relikt aus. Doch aus der Bedeutung des Orgelschaffens Bachs leitete sich für Mendelssohn ein für alle Zeiten unaufgebbarer Anspruch des Instrumentes Orgel ab, dem er nach Kräften Geltung zu schaffen suchte. In der Orgel-Sammlung „Cäcilia", herausgegeben durch den von Mendelssohn eingesetzten Orgelprofessor des Leipziger Konservatoriums Carl Ferdinand Becker, dokumentiert sich der Weg der Bach-Schule bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts – angesichts dieser dreibändigen Sammlung kann man die Zeit zwischen Bach und Mendelssohn keinesfalls als tote Periode des Komponierens für die Orgel betrachten.

Interessanterweise enthält die Sammlung auch Stücke aus Bachs „Musikalischem Opfer" oder der „Kunst der Fuge", die eine sehr anspruchsvolle Pedaltechnik verlangen. Ähnliches gilt für eine Fuga cis-Moll von S. S. Wesley. Andererseits dokumentiert die Übertragung von Händels Fuge f-Moll mit vollgriffigen Akkorden der linken Hand auf die Orgel eine ganz unpolyphone, dem Affekt verpflichtete Schreibweise. Ein Trio der Prinzessin Anna Amalia von Preußen, Fugen von C. Ph. E. Bach und W. Fr. Bach sowie von J. L. Krebs dokumentieren wieder je eigene Seiten der Zeit nach Johann Sebastian Bach.

Stücke dieser Sammlung werden auf dem Meisterkurs „Dialog der Tasten" behandelt. Von hier aus ergeben sich nicht zuletzt auch Ansatzpunkte zur Frage der Orgeltranskription von Klavierwerken. An drei Beispielen soll dies im Kurs entwickelt werden: Mendelssohns Präludien und Fugen op. 35 und die Variations serieuses op. 54 sowie Brahms' Variationen D-Dur op. 21. Zugleich soll jeweils die Originalversion für Klavier erarbeitet werden. Im Mittelpunkt steht dabei Mendelssohns Opus 35, von dem er selbst sagte, es sei „das Beste, was ich für Klavier geschrieben habe". Anhand der Orgelfassung, die Christoph Bossert bereits 1991 veröffentlichte, wird aber auch deutlich, wie sehr Mendelssohn zum Anreger der späteren französischen Orgelsinfonik wird, wie sie durch ein Präludium h-Moll oder f-Moll bereits um 1835 vorgebildet erscheint.

In der Geschichte der Tasteninstrumente standen Orgel- und Klaviersatz schon immer in einer engen Wechselbeziehung. Der Facettenreichtum dieser Wechselbeziehung bietet fast unerschöpfliche Möglichkeiten. Bei Mendelssohn selbst scheinen Klavier und Orgel eher in der Schreibweise getrennt; und doch sperrt sich Mendelssohns Opus 35 bei einer Übertragung auf die Orgel kaum – im Gegenteil. Schumanns Kanons op. 56 scheinen – allem Anschein nach sogar bewusst programmatisch – exakt zwischen Klavier- und Orgelsatz zu stehen: Die polyphone Schreibweise des Kanons weist in die Nähe der Orgel, die teilweise homophone Begleitakkordik dagegen weist als „Lied ohne Worte" in die Nähe des Klaviers. Im Falle von Johannes Brahms, der leider viel zu wenig für die Orgel schuf, lässt sich die Verbindung von Klavier und Orgel am Beispiel seiner Variationen D-Dur für Klavier op. 21 zeigen, deren 1. Variation im Beginn des sehr spät komponierten Choralvorspiels Herzlich tut mich erfreuen für Orgel als Zitat wiederkehrt. Max Reger schließlich fertigte für sein erstes großes Orgelwerk, nämlich die Johannes Brahms gewidmete Suite e-Moll op. 16, auch eine vierhändige Klavierversion an.

"Dialog der Tasten - Brücken zwischen den Zeiten" setzt den im Messiaen-Jahr 2008 in Würzburg beschrittenen Weg fort, in dem durch Markus Bellheim das gesamte Klavierwerk von Olivier Messiaen, durch Christoph Bossert und seine Orgelklasse sowie durch Hans-Ola Ericsson als Gastdozent das gesamte Orgelwerk Messiaens zur Aufführung kam. Kontrapunktierend zur Idee des Gesamtwerks soll Mendelssohn 2009 eher aus dem Blickwinkel von Kontinuität und Diskontinuität betrachtet werden, indem durch ihn eine riesenhafte Brücke sichtbar wird, die das gesamte Zeitalter der Dur-Moll-Tonalität überspannt.



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